Goodbye
Lenin
http://www.good-bye-lenin.de/intro.phpLenin
ist von seinem Sockel gestiegen. Die Faust zum sozialistischen Gruß gereckt
schwebt er von einem Helikopter baumelnd ein letztes Mal durch die Straßen
der Hauptstadt.
Good Bye, Lenin! Welcome D-Mark.Es ist 1990, Wendezeit in Deutschland. In irrwitzigem
Tempo wird der sozialistische Traum entsorgt. DDR-Produkte verschwinden aus den
Regalen, Coca-Cola-Banner schmücken Plattenbauten. Eine Übernahme im
Handstreich.Christiane Kerner hat von all dem nichts mitgekriegt. Acht Monate
hat die überzeugte Genossin im Koma gelegen. Nun lebt sie auf einer kleinen
sozialistischen Insel mitten im brodelnden Berlin und wird von ihrem Sohn Alex
mit Spreewaldgurken versorgt, die eigentlich schon aus dem Westen kommen.
Christiane droht ein erneuter Herzinfarkt, sobald sie sich aufregt - Grund dazu
gibt's mehr als genug. Und so lässt Alex auf 79 Quadratmetern Plattenbau
die DDR wieder auferstehen, mit Ständchen von den jungen Pionieren und allem
drum und dran. Wolfgang Becker ist mit seinem Film ein wunderbares Schelmenstück
gelungen, und jeder kann sich ausmalen, welch komisches Potential in dieser grotesken
Situation steckt. Doch wie bei jeder wirklich guten Komödie ist der Stoff
eigentlich zutiefst tragisch. Der Film lässt noch einmal all jene zu Wort
kommen, für die die Wende zu spät kam.
Menschen wie Christiane, die wirklich an die sozialistische Idee glaubten, und
nach der Wende mit leeren Händen da standen. Für andere wieder kam die
Wiedervereinigung zu früh: Die Montagsmaschierer haben Freiheit, Leib und
Leben sicher nicht für ein Stück Westschokolade riskiert, sondern für
das Recht, das eigene Schicksal mitzubestimmen. "Wir sind das Volk"
riefen sie, und mussten dann feststellen, dass auch im Westen Volkes Stimme nur
auf dem Wahlschein etwas zählt.Doch im Jahre 1990 ist diese bittere Erkenntnis
noch weit weg.
Der Berliner Sommer ist noch bunt, die große Liebe in Gestalt einer russischen
Krankenschwester süß und ansonsten hat Alex mit der Aufrechterhaltung
seiner gut gemeinten Scharade alle Hände voll zu tun. Die Wirklichkeit lässt
sich nicht aussperren. Unaufhaltsam kriecht sie durch die Ritzen. Da sind die
Kolonnen von Westautos, die plötzlich vor dem Fenster kreuzen. Da sind die
neuen Nachbarn mit dem Lampenschirm aus pinkem Plüsch. Um all das zu erklären,
schreibt Alex kurzerhand die Geschichte um. Für seine Mutter erschafft er
eine DDR aus dem marxistischen Märchenbuch. Lässt den Traum vom Sozialismus
mit menschlichem Antlitz noch einmal auferstehen, bis er ihn mit einer selbstgebastelten
Rakete Richtung Mond schießt, wo er in tausend glitzernden Funken zerstiebt
und endgültig am Nachthimmel verglüht.Nani Fux